Oldtimerabenteuer Mille Miglia - Dabei sein ist alles!

Eine große Leidenschaft für Autos hatte Corrado Becchetti schon als Kind. Diese teilt er heute mit seiner Frau Gabriella, mit der er außerdem den Agriturismo Unicorno betreibt. Gemeinsam haben die beiden zwischen 2003 und 2008 mehrmals an der Mille Miglia teilgenommen, die von Brescia bis nach Rom und wieder zurück führt. Die 1000 Meilen – etwa 1600 km – sind für Oldtimer und Fahrer gleichermaßen eine Herausforderung.

„Das Röhren der Motoren zu hören, die wie Löwen brüllen, der Geruch von Benzin, das finde ich wahnsinnig faszinierend“, sagt Corrado Becchetti. Für ihn ist die Mille Miglia eine Abenteuerfahrt, die der Fahrer in Symbiose mit dem Fahrzeug erlebt, immer darauf Bedacht, mögliche technische Ausfälle zu verhindern. Da nur Fahrzeugmodelle teilnehmen dürfen, die bereits zwischen 1927 und 1957 bei der Mille Miglia an den Start gegangen sind, lässt sich das natürlich nicht immer verhindern.

Abenteuerfahrt Mille Miglia
Gabriella und Corrado hatten bei keinem der Rennen ein Serviceteam dabei, sondern haben sich immer selbst zu helfen gewusst – gerade das macht für sie auch den Reiz des Rennens aus. Wenn die Beleuchtungsanlage des Autos komplett ausfällt, wird tapfer weitergefahren, mit Stirnlampe und improvisiertem Rücklicht, denn Stehenbleiben entspricht nicht dem Geist des Rennfahrers. Und wenn die Gangschaltung nicht mehr funktioniert? Eine schnelle Reparatur ist nicht möglich, daher wird die letzte Strecke von Modena bis Brescia im 2. Gang gefahren, ohne die Möglichkeit, anzuhalten. Bei Regen oder Schnee heißt es im offenen Wagen warm anziehen und Zähne zusammenbeißen. „Aber wenn man erst mal komplett durchnässt ist, merkt man das eigentlich gar nicht mehr“, meint Corrado lachend. „Außerdem wird das Auto durch den Motor sehr heiß, das wärmt!“

Belohnt für diese Strapazen wird man allemal. Als einmalig beschreibt Corrado Becchetti das Gefühl, durch die unbekannten kleinen Ortschaften entlang der Strecke zu fahren, in denen sich alle Einwohner versammeln, um den Fahrern zuzujubeln. Auch ein paar Berühmtheiten haben die Becchettis während der Touren kennengelernt – beispielsweise König Carl Gustav von Schweden und ehemalige Formel-1-Piloten. So viele VIPS wie heute wären damals allerdings noch nicht dabei gewesen, meint Corrado.

Dabei sein ist alles
Einmal unter den ersten ins Ziel zu fahren war dem Unicorno-Team zwar nicht vergönnt - dafür müsste man regelmäßig trainieren, so Corrado Becchetti. Aber darum geht es ihnen auch gar nicht, sondern einfach darum, bei diesem besonderen Event dabei zu sein.

Teilgenommen haben die Becchettis all die Jahre mit ihrer Moretti 750er Sport, die von Corrado selbst in Stand gehalten und repariert wird. Er kennt jede Schraube des Fahrzeugs. Diese Passion für das Technische rührt auch daher, dass er aus einer Familie kommt, die in der Metallindustrie tätig ist – sein Urgroßvater gründete eine der ersten Eisengießereien im nahen Lumezzane. Auch Corrado selbst arbeitet viele Jahre im familieneigenen Betrieb, Gabriella lernt er auf einer Fachmesse in Paris kennen.

Mille Miglia Feeling im Agriturismo Unicorno
Neben der Faszination für antike Autos teilen die beiden auch einen gemeinsamen Traum - ein Leben zu führen, bei dem man viel in der Natur und an der Sonne ist. 2007 beginnt der Traum Wirklichkeit zu werden – als das Ehepaar beschließt, ein altes Familienanwesen zu restaurieren. Daraus wird der heutige Agriturismo Unicorno – mit eigener Weinproduktion, Restaurant, Kräuter- und Gemüsegarten, Hofladen und 10 Zimmern. Alles wurde behutsam und mit natürlichen Materialien renoviert - um den Gästen ein ganz besonderes Urlaubserlebnis zu bieten. Selbstverständlich gibt es auch ein Zimmer, das der Mille Miglia gewidmet ist – mit original Straßenmarkierungen des Rennens und originellen Möbelstücken aus Autoreifen oder Motorteilen. Brescia, Start- und Zielpunkt des Oldtimerevents, liegt von der Unterkunft nur ca. 30 Autominuten entfernt und die Gastgeber erzählen gern die ein oder andere Anekdote oder geben Tipps, wo man den Event am Besten genießen kann. Hier schon mal einer vorweg:

Tipps für die Mille Miglia
„Am Beeindrucktesten finde ich ganz bestimmt die „Punzonatura“ in Brescia, meint Corrado Becchetti. Vor dem Start werden die Autos auf der Piazza della Vittoria in Brescia versammelt, auf Herz und Nieren geprüft und können währenddessen ganz aus der Nähe bestaunt werden. Aber auch der abendliche Stopp im Gardaseeort Desenzano sei sehenswert.

Im Agriturismo Unicorno sind jedes Jahr auch Teilnehmer der Mille Miglia zu Gast. Den Gastleuten selbst bleibt neben dem Agriturismo momentan keine Zeit, am Rennen teilzunehmen – für die Zukunft ist das aber ganz fest geplant.

Interview: Katja Schäfer, Redakteurin von gardasee.de

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Bildnachweis: Agriturismo Unicorno; gardasee.de